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Jammern geht anders, zumal es sich um Idealisten handelt

Oktober 6th, 2006 by The Captain · 1 Comment

Nein, ich werde hier nicht eine Selbstkritik verfassen. Nur soviel denn dann doch, in aller Bescheidenheit: Wir waren gestern alles andere als ungüt. Ich freue mich auf den Abend, an dem wir zusätzlich noch für einige Lieder ein Klavier auf der Bühne haben. Aber nur wenn ich es nicht schleppen muss. Denn schleppen ist schlecht fürs Karma.

Und wieder mal gilt: Club am Donnerstag ist ein ausgesprochen netter Laden. Und ebenso gilt: ohne ganz bestimmte Menschen wären einige Dinge nicht möglich.

Da ist zunächst mal Ludger. Er hat eine Gelegenheit beim Schopfe gepackt. Und setzt sich damit von uns allen ab. Ich sollte das vielleicht mal erzählen: In Bergedorf gibt es am Bahnhof einen Gebäudekomplex, der offenbar einem einzelnen Menschen gehörte. In einem Innenhof ist eine sehr populäre Bergedorfer Kneipe untergebracht. Und ein Jazz-Club. Den gibt es schon sehr lange, ich habe einen Kollegen, der von Konzerten schwärmt, die dort Ende der sechziger Jahre stattgefunden haben. Aber die Zeit vergeht und der Besitzer von det Janze wurde älte und bevor er tot wurde, verfügte er, dass was immer mit dem Komplex passiere, dieser Jazz-Club müsse erhalten bleiben. Auflage ist Auflage, die ganzen alten Fans des Clubs freuten sich wie Hulle, wurden aber logischerweise älter und bleiben zunehmend weg. Und nun kommt Ludger ins Spiel.

Der nutzte nämlich die Gelegenheit und schnappte sich den Laden und veranstaltet nun an einem (und öfter auch mal zwei) Abenden im Monat seinen Club am Donnerstag. Und bucht sich Bands, die ihm gefallen. Geld ist damit natürlich nicht zu verdienen. Das hat eher was mit Lust zu tun. Und mit Idealismus. Wir haben bisher wenig schlechte Erfahrungen gemacht mit Läden, aber so nett wie bei Ludger ist es sehr selten. Es ist so ein kleiner Musik(er)traum, was da passiert.

Dann ist da Sancho. Sancho ist Arzt, eigentlich. Und eigentlich mit dem Job sehr ausreichend ausgelastet. Sancho ist aber auch Idealist. Und musikverrückt. Also gründet er mit Freunden einen Radiosender, auf dem andere Musik läuft, als in den Konservenabspielstationen. Und nimmt Kontakt auf zu Musikern, deren Musik ihm gefällt. Kleine Bands, überwiegend aus den Staaten. Zum Beispiel Eric Taylor, aber auch Rachel Loshak . Und er sieht zu, dass die im Norden Deutschlands Konzerte spielen können und veranstaltet zudem Hauskonzerte bei sich. Kleine gemütliche Konzerte im privaten Kreis. Wir haben übrigens das das große Glück, dass Sancho unsere Musik mag.

Warum ich das erzähle? War halt so ein Gedanke auf der Heimfahrt, gestern. Dass es ein Glück ist, dass nicht alle Menschen nur Jammern über Musikindustrie und das Verderbliche der Welt, sondern es auch die wenigen Exemplare gibt, die einfach was machen. Und dass es sehr schön ist, dass es so ist.

Tags: Friends · Gigs

1 response so far ↓

  • Boogie // Okt 7th 2006 at 11:00

    Wo darf ich hier unterschreiben? Den Worten des Captains ist nichts hinzuzufügen, sag ich mal so, weil’s denn so ist.

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